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18.02.2014

Gefahrstoffeinsatz: Chemikalienaustritt nach Transportunfall (18.02.2014)

Einsatzstichwort: THilfe 1 - Alarm, erhöht auf Gefahrgut (um 11:05 Uhr)
Einsatzmeldung: LKW verliert flüssige Ladung - KEIN Gefahrgut
Einsatzort: Mühlenfeldstraße, Holzminden
Alarmierte Schleifen: Kleinschleife TH Holzminden, Gefahrgutzug Holzminden
Fahrzeuge: LF 20/16, RW 2, ELW, TLF 24/50 m. PLA 250, WLF m. AB-Gefahrgut, LF 16-TS, MTW, WLF Bauhof m. AB-Sondergeräte, MTW, FwA-Transport (Holzminden); KdoW, TLF 30/20-55, ELW 1, LF 16, LF 8, GW-G (WF Symrise)
Eingesetzte Kräfte: 40 (Holzminden)
Alarmzeit: 11:00 Uhr

Bericht:
Auf der Mühlenfeldstraße in Holzminden kam es am Dienstagvormittag zu einem Transportunfall, bei dem ein transportiertes Lösungsmittel aus einem LKW austrat. Die Feuerwehr Holzminden wurde mit dem Gefahrgutzug alarmiert. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen weniger gefährlichen Stoff handelte. Für Personen bestand keine Gefahr.

Gegen 11 Uhr bemerkte ein Mitarbeiter eines in der Mühlenfeldstraße ansässigen Chemieunternehmens den Austritt einer Flüssigkeit aus dem LKW eines Lieferanten. Über den Werkschutz des Unternehmens wurde die Rettungskette in Gang gesetzt. Da es sich bei der Ladung nicht um kennzeichnungspflichtiges Gefahrgut handelte, wurde durch die Leitstelle zunächst nur die Kleinschleife TH der Ortsfeuerwehr Holzminden mit dem Stichwort „Hilfe 1“ alarmiert, parallel wurde ein Zug der Werkfeuerwehr Symrise angefordert. 

Für die ersteintreffenden Kräfte stellte sich die Lage wie folgt dar: Ein Gliederzug-LKW verlor von beiden Ladeflächen Produkt und über dem LKW stand eine Dampfwolke. Daher wurde vom Einsatzleiter bereits fünf Minuten nach dem ersten Alarm das Einsatzstichwort auf „Gefahrgut“ erhöht und somit der Gefahrgutzug der Feuerwehr Holzminden alarmiert.

Während die weiteren Kräfte anrückten, rüstete sich ein erster Trupp der Werkfeuerwehr mit Atemschutz aus. Dieser Trupp platzierte unter dem LKW Auffangwannen um den auslaufenden Stoff aufzufangen, dabei kontaminierte sich der Trupp leicht mit dem Produkt. Es wurden Maßnahmen zur Sicherung von Gullyeinläufen getroffen und ein Damm mit Bindemittel aufgeschüttet um eine weitere Ausbreitung des bereits ausgelaufenen Stoffes zu vermeiden. 

Während dieser Maßnahmen wurde parallel durch den Gefahrgutzug eine Dekontaminationsstelle der Stufe 1 aufgebaut, in der der leicht kontaminierte Trupp anschließend gründlich dekontaminiert wurde.

Nach Angaben des LKW-Fahrers konnte davon ausgegangen werden, dass es sich um das Lösemittel "N-Methyl-2-Pyrrolidon" handelte, da der LKW ausschließlich diesen Stoff geladen hatte. Die Angaben wurden kurz darauf durch die Firma Symrise, für die die Lieferung bestimmt war, bestätigt. Der Stoff ist in gewissen Dosen giftig und außerdem leicht wassergefährdend. Kontakt mit der Haut oder ein Einatmen der Aerosole können Reizungen auslösen und sind daher zu vermeiden. 

Die Erkundung direkt am LKW durch Kräfte unter Chemikalienschutz ergab, dass sowohl auf der Zugmaschine als auch auf dem Anhänger jeweils ein Behälter beschädigt war.

Aufgrund der Stoffeigenschaften mussten sämtliche weitere Arbeiten am LKW unter Chemikalienschutz durchgeführt werden. Die restlichen Inhalte der beschädigten Behälter wurden mit einer speziellen Pumpe in Ersatzbehältnisse umgepumpt. 

Über die gesamte Einsatzdauer wurde die Dekontaminationsstelle mit Kräften unter leichtem CSA mit Filtergerät betrieben. Eingesetzte Chemikalienschutzanzüge wurden nach Grobreinigung und Entkleiden luftdicht verpackt um sie der Wiederaufbereitung bzw. Entsorgung zukommen zu lassen. Insgesamt wurden neun schwere CSA und zahlreiche leichte CSA eingesetzt.

Später wurde der Gliederzug auf das Werksgelände der Fa. Symrise verbracht und dort auf einem Platz, der zu einer chemischen Produktion der Firma gehört und der über eine gesonderte Abwasserbehandlung verfügt, entladen und von Stoffrückständen gereinigt. Diese Maßnahmen wurden durch Stellung einer Dekontaminationsstelle von der Feuerwehr Holzminden unterstützt. 

Parallel zu den Maßnahmen am LKW wurde die Fahrbahn im Bereich der Sollingstraße ab Altendorfer Straße sowie der Mühlenfeldstraße durch eine Fachfirma gereinigt, da der betroffene LKW hier auf seiner Fahrt bereits Flüssigkeit verloren hatte.

Die Mühlenfeldstraße und Teile der Sollingstraße mussten während des Einsatzes komplett für den Verkehr gesperrt werden. Im Umfeld kam es zu Verkehrsbehinderungen.

Neben dem Gefahrgutzug der Feuerwehr Holzminden, welcher mit 40 Kräften im Einsatz war, waren auch Rettungsdienst und Polizei vor Ort. Die Werkfeuerwehr Symrise unterstützte die städtischen Einsatzkräfte mit dem Zug des Werks Weser. 

Vor Ort waren außerdem die Untere Wasserbehörde, die Ordnungsämter von Stadt und Landkreis, der stv. Kreisbrandmeister, die Feuerwehrtechnische Zentrale sowie ein Vertreter der Klärwerke.

Der personal- und materialintensive Einsatz in der Mühlenfeldstraße konnte für die Feuerwehr nach rund fünf Stunden beendet werden. Die Nachbereitung zur Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft zog sich noch über weitere Stunden hin.

Kategorie: Einsätze-Fw-Holzminden
Von: J. Schwingel/L. Schrader
Fotos: Feuerwehr/D. Kumlehn/M. Stahlmann