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28.10.2015

Feuerwehr nimmt neuen Einsatzleitwagen in Dienst (28.10.2015)

Einen neuen Einsatzleitwagen (ELW) 1 hat die Stadt Holzminden bei der Ortsfeuerwehr Holzminden in Dienst genommen. Das neue Fahrzeug ersetzt einen seinerzeit noch als ELW 2 bezeichneten Vorgänger, der mit seinen 33 Dienstjahren und 75 PS Motorleistung bis zuletzt im Einsatzdienst stand. "Dass der neue ELW nur noch als ELW 1 bezeichnet wird, obwohl er sogar etwas größer als sein Vorgänger ist, zeigt wie sehr die Anforderungen über die Jahre gestiegen sind", betont Stadtbrandmeister Manfred Stahlmann.

Gemeint sind dabei vor allem die Anforderungen an die Einsatzkommunikation und -dokumentation, aber auch die Informationsgewinnung und -aufbereitung bei tendenziell immer anspruchsvolleren Einsatzszenarien. "Mit der Beschaffung setzt die Stadt Holzminden eine Maßnahme um, die der 2014 beschlossene Brandschutzbedarfsplan wie auch die Verordnung über die kommunalen Feuerwehren fordern", erklärt Stahlmann.

Bereits Anfang 2013 wurde, nach Beschlussfassung in den politischen Gremien und Bereitstellung der erforderlichen Finzanzmittel, mit der Planung begonnen. Diese erfolgte übrigens gemeinsam mit der Werkfeuerwehr Symrise, welche ebenfalls die Beschaffung eines ELW plante. Nach der Ausschreibung gemäß den einschlägigen Vergabevorschriften konnte der Auftrag schließlich vergeben werden.

Ausgebaut hat das Fahrzeug die Firma Wagener aus Kassel auf Basis eines Mercedes-Benz Sprinter 519 BlueTEC mit fünf Tonnen zulässigem Gesamtgewicht und 190 PS Motorleistung. Gewählt wurde die Variante mit langem Radstand, zweitlängster Karosserie und Hochdach. Ein Automatikgetriebe, ein Navigationsgerät und eine Rückfahrkamera entlasten den Fahrer künftig bei Einsatzfahrten und dem Rangieren.

Der ELW 1 dient mit seiner Ausstattung und Besatzung zur Unterstützung des Einsatzleiters. Konzipiert ist er zum Transport und als Arbeitsraum für eine Führungsstaffel zum Führen mehrerer Züge entsprechend der Führungsstufe B "Führen mit örtlichen Führungseinheiten" der Feuerwehrdienstvorschrift (FwDV) 100 "Führen und Leiten im Einsatz". Für das Führungsunterstützungspersonal, Führungsassistenten und den Zugführer oder Einsatzleiter sind insgesamt sechs Sitzplätze verbaut, die allesamt während der Fahrt genutzt werden können.

Betreten wird der Arbeitsraum über die Schiebetür auf der Beifahrerseite. Im hinteren Bereich sind entgegen der Fahrtrichtung zwei Kommunikationsarbeitsplätze mit PC eingebaut, vorn befindet sich ein Arbeitstisch mit zwei Arbeitsplätzen. Fahrer- und Beifahrersitz sind drehbar ausgeführt, sodass insgesamt vier Personen am Tisch arbeiten können. Mit Funkbedieneinheit und Laptop kann hier ein vollwertiger dritter Kommunikationsarbeitsplatz genutzt werden.

Herz des ELW 1 ist die umfangreiche Kommunikationsausstattung. Fünf Funkgeräte sind verbaut. Der digitale Fahrzeugfunk, analoger und digitaler Einsatzstellenfunk können an allen Arbeitsplätzen unabhängig voneinander mitgehört, besprochen und mitgeschnitten werden. Die Funkaufzeichnung dient zur Dokumentation, bedeutet aber auch einen ganz praktischen Sicherheitsgewinn, etwa wenn in kritischen Situationen ein Funkspruch nicht sofort vollständig verstanden werden konnte.

Zur Dokumentation, Lagedarstellung und Einsatzstellenverwaltung ist auf den Rechnern eine spezielle Software installiert. Alle Informationen zu einem Einsatz sind von allen PC-Arbeitsplätzen abrufbar und zu bearbeiten. Bildschirminhalte können, z.B. für eine Einsatzbesprechung, auch auf einem großen Fernsehbildschirm am Arbeitstisch dargestellt werden. Ein Netzlaufwerk ermöglicht das Ablegen und den Zugriff auf lokale Datenbanken, Nachschlagewerke und sonstige Dateien von allen Arbeitsplätzen aus. Stationäre und mobile Telefone sowie Fax über Mobilfunk und Internet über LTE runden die Kommunikationsausstattung ab.

Zum Betrieb der eingebauten Elektronik ist eine ausgeklügelte Lade- und Stromversorgungstechnik verbaut. Zum Betrieb reicht es aus, wenn der Fahrzeugmotor läuft. Darüber hinaus ist ein schallgedämmter Stromerzeuger im Heck verlastet, mit dem das Fahrzeug eingespeist werden kann. Sollte die Stromversorgung unterbrochen werden, springen unterbrechungsfrei bis zu zwei Stunden lang Batterien ein.

Zur weiteren Beladung gehören unter anderem eine LED-Rundum-Beleuchtungseinheit der Marke Powermoon auf Stativ, Material zur Lagedarstellung und eine Wetterstation, die auf dem Dach angebracht werden kann. Diese ist besonders für den Einsatz des Gefahrgutzuges von Bedeutung und überträgt ihre Daten wie etwa Windrichtung und -geschwindigkeit auf die Rechner im Inneren. Natürlich darf auch die übliche ELW-Beladung wie Büromaterial und Handfunkgeräte nicht fehlen.

Um den Betrieb bei jedem Wetter sicherzustellen, ist auf dem Fahrzeugdach eine zusätzliche Klimaanlage verbaut. Als Wetterschutz, etwa bei Einsatzbesprechungen, dient eine Markise an der Beifahrerseite. Es ist aber auch möglich, den ELW 1 als abgesetzten Fernmeldekopf zu betreiben und die Einsatzleitung im AB-Aufenthalt oder in ortsfesten Strukturen einzurichten. Eine rote Rundumkennleuchte auf dem Dach des ELW dient zur Kenntlichmachung des Standorts der Einsatzleitung.

Wie sein Vorgänger rückt der ELW 1 laut Alarm- und Ausrückeordnung bei allen Einsätzen der Ortsfeuerwehr Holzminden stadtweit mit aus, sofern nicht lediglich der Alarmfahrer alarmiert ist. "Die Stärke der Besatzung richtet sich dabei nach dem Umfang der eingesetzten Kräfte", erläutert Holzmindens Ortsbrandmeister Michael Nolte.

Während bei Kleineinsätzen ein bis zwei Kräfte ausreichen, sind es bei einem Zugeinsatz schon zwei bis drei. Darüberhinaus wächst die Besatzung weiter auf. Spätestens ab dem Einsatz von vier Löschzügen rücke aber weiterhin der ELW 2 des Landkreises an, stellt Nolte klar. Der ELW 1 kann dann einen Einsatzabschnitt übernehmen und den Abschnittsleiter unterstützen.

Auch überörtlich rückt der ELW 1 mit aus, etwa wenn ein Zug der Feuerwehr Holzminden angefordert wurde. "Besonders wenn wir mit dem Gefahrgutzug in den Landkreis fahren, ist es wichtig schon auf der Anfahrt arbeiten zu können und sich intensiv vorzubereiten", weiß Ortsbrandmeister Nolte.

Seit der Abholung des Fahrzeugs aus dem Werk in Kassel hat sich das ELW-Personal bereits rund zweieinhalb Wochen lang intensiv mit dem neuen Fahrzeug und der verbauten Technik vertraut gemacht. Für diesen und weiteren zusätzlichen Zeitaufwand dankt Ortsbrandmeister Nolte der ELW-Gruppe – und ist sich sicher: "Mit dem neuen ELW 1 haben wir ein zeitgemäßes Fahrzeug bekommen, das auf unsere Bedürfnisse abgestimmt ist."

Fahrzeugsteckbrief ELW 1 im Bereich 'Technik'

Kategorie: Aktuelles-Fw-Holzminden
Von: J. Schwingel
Fotos: T. Stahlmann/J. Schwingel